
KTM im Dilemma: Mehr Kurvenperformance, weniger Topspeed
Pedro Acosta, Brad Binder und Maverick Viñales schlagen Alarm: KTM hat im Winter zwar an Kurvenleistung gewonnen, dabei aber offenbar eine seiner traditionsreichsten Stärken geopfert – die Höchstgeschwindigkeit.
Es ist eine bittere Erkenntnis für das KTM-Lager: Nach drei MotoGP-Rennwochenenden der Saison 2026 zeichnet sich ein klarer Trend ab, den alle drei KTM-Stammfahrer übereinstimmend bestätigen. Das österreichische Werksteam hat über den Winter zwar spürbare Fortschritte in der Kurvenperformance erzielt – auf den Geraden hingegen hat die RC16 an Biss verloren.
Engine-Freeze macht Leistungssuche unmöglich
Der Hintergrund ist technischer Natur: Im Zuge des neuen technischen Reglements haben sich die Hersteller auf einen sogenannten „Engine-Freeze" geeinigt. Das bedeutet, dass an den Motoren selbst über den Winter keine leistungssteigernden Maßnahmen vorgenommen werden durften. Eingriffe an Airbox, Elektronik, Ride-Height-Systemen und Aerodynamik waren hingegen erlaubt – und genau diese Komponenten beeinflussen maßgeblich die Endgeschwindigkeit auf den Geraden.
Ein Blick auf die Topspeed-Daten der ersten drei Saisonrennen untermauert das Gefühl der Fahrer mit konkreten Zahlen:
Thailand: Schnellste KTM (Bastianini) 342,8 km/h – Aprilia (Martin/Bezzecchi) je 345,0 km/h – beste Ducati (Márquez) 341,7 km/h
Brasilien: Ducati (Márquez) führt mit 348,3 km/h – Aprilia (Bezzecchi) 346,1 km/h – beste KTM (Acosta) 342,8 km/h
USA: Aprilia (Bezzecchi) schnellste mit 353,9 km/h – Ducati (Di Giannantonio) 352,7 km/h – beste KTM (Acosta) 349,2 km/h
Da die jeweiligen Bestwerte in verschiedenen Sessions und unter unterschiedlichen Bedingungen – Stichwort Windschatten – gemessen wurden, sind sie nur eingeschränkt direkt vergleichbar. Der Trend ist dennoch unübersehbar.
Acosta: „Eine unserer größten Stärken ist verschwunden"
Pedro Acosta bringt die Situation auf den Punkt: „Das Motorrad funktioniert in den Kurven deutlich besser als im vergangenen Jahr. Es sieht so aus, als wäre eine unserer größten Stärken – die Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden – verschwunden." Der Spanier ergänzt, dass auch die Konkurrenz nicht geschlafen habe: „Die Hersteller haben sehr viel gearbeitet. Man sieht, dass Ducati nach wie vor vorne ist und Aprilia einen enormen Schritt gemacht hat."


